Hardwaregebundene Software
Ressourcen, Peripherie und physische Folgen gehören zum Softwareproblem.
Kursgrundlagen: Was Embedded-Software ist, warum physische Wirkung Engineering verändert und wie Produkt- und Servicemodelle den Rahmen setzen.
Ressourcen, Peripherie und physische Folgen gehören zum Softwareproblem.
Functional Safety behandelt unbeabsichtigte Fehler, Cybersecurity absichtliche Angriffe.
Produktfirmen tragen Produkt-/Marktrisiko, Servicefirmen verkaufen Engineering-Fähigkeit.
Vertraulichkeit und Eigentum ergeben sich aus Vereinbarungen, nicht aus Annahmen.
Embedded Engineering ist ein gekoppeltes technisches und geschäftliches System: Hardware, Verifikation, Eigentum und Delivery prägen Software von Beginn an.
Aus dem primären ukrainischen Transkript rekonstruiert. Redaktionelle Korrekturen und externe Ergänzungen sind im Material ausdrücklich markiert.
Chronologie: 1. September 2026 · Auftakt des Kurses. Primärquelle: vollständiges automatisches Transkript. Status: aus der Originalaufzeichnung rekonstruiert und am 28. September 2026 eingefroren.
Dieser Kurs beschäftigt sich weniger mit der Syntax von Programmiersprachen oder der Algorithmentheorie als mit dem gesamten ingenieurtechnischen und geschäftlichen Lebenszyklus eines Embedded-Projekts. Das in der Vorlesung formulierte Ziel ist, den Weg von einer Idee bis zu ersten Einnahmen, über die alltägliche Umsetzung bis zum Abschluss des Projekts oder Geschäfts nachzuvollziehen.
Das zentrale Modell des Kurses:
Idee
↓
Bedarfsdefinition
↓
Kunde / Markt / Finanzierung
↓
Team + Prozesse + Arbeitsergebnisse
↓
Entwicklung eines eingebetteten Systems
↓
Verifikation / Validierung / Integration
↓
Lieferung / Unterstützung / Abschluss
Die Leistungsbewertung stützt sich auf Teamprojekte und Demonstrationen, nicht nur auf die Wiedergabe von Theorie. Die Studierenden bilden ihre Teams selbst. Deren Rollen und Liefergegenstände entwickeln sich im Kursverlauf weiter.
Das praktische Kennzeichen eingebetteter Software ist ihre Entwicklung für eine bestimmte Hardwareumgebung als Bestandteil eines physischen Produkts oder Systems. Neben Programmfunktionen zählen deshalb Speicher, Rechenressourcen, Energieverbrauch, Peripherie, Schnittstellen, Zeitverhalten und die physischen Folgen eines Fehlers.
Die Vorlesung stellt zwei häufige Systemtopologien gegenüber.
Bei vergleichsweise kleinen MCU-Lösungen kann die Anwendungslogik unmittelbar auf der HAL- oder Treiberschicht des Herstellers laufen.
Anwendung / Geschäftslogik
↓
HAL + hardwarenahe Treiber
↓
MCU / DSP / SoC / anderes Zielsystem
Vorteile sind ein kleinerer Software-Stack, kontrollierbarer Ressourcenverbrauch und Vorhersagbarkeit. Dem stehen eine stärkere Bindung an die Zielhardware und der Bedarf gegenüber, mehr Infrastruktur selbst zu realisieren.
Bei größeren Systemen kann die Wiederverwendung vorhandener Netzwerk-, Dateisystem-, Diagnose- und weiterer Dienste zweckmäßig sein.
Anwendung
↓
Middleware / Dienste
↓
Betriebssystem / Laufzeitumgebung
↓
HAL / Treiber
↓
Hardware
Ein solcher Aufbau macht das System nicht automatisch „besser“. Es handelt sich um einen anderen Kompromiss: mehr Wiederverwendung und Flexibilität, zugleich aber einen komplexeren Software-Stack, größere Integrations-, Aktualisierungs- und Angriffsflächen sowie zusätzliche Abhängigkeiten.
Code wirkt letztlich auf die physische Welt: Er erzeugt elektrische Signale, steuert Aktoren und überträgt Daten über physische Schnittstellen. Ein Fehler zeigt sich daher nicht bloß als falscher Bildschirmtext, sondern möglicherweise als:
Daraus folgt die zentrale These: Hochwertige Embedded-Entwicklung ist untrennbar mit Testing, Systems Engineering und Risikomanagement verbunden.
Die Vorlesung stellt zwei Ursachen unerwünschten Systemverhaltens vor:
| Dimension | Was geschieht? | Typische Frage |
|---|---|---|
| Funktionale Sicherheit (Functional Safety) | Ein zufälliger Ausfall oder Fehler führt zu einem gefährlichen Systemzustand | „Was geschieht, wenn eine Komponente ausfällt?“ |
| Cybersicherheit (Cybersecurity) | Ein Akteur versucht absichtlich, das Verhalten zu verändern oder sich unberechtigten Zugang zu verschaffen | „Was könnte ein Angreifer tun, und wie begrenzen wir dies?“ |
Diese Disziplinen beeinflussen einander, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
Die mündliche Formulierung in der Vorlesung war weiter gefasst als der tatsächliche Geltungsbereich des Standards. ISO 26262 behandelt funktionale Sicherheit elektrischer und elektronischer Systeme in serienmäßig hergestellten Straßenfahrzeugen. Für Industrie, Luft- und Raumfahrt, Schienenverkehr, Medizin und andere Domänen gelten jeweils eigene einschlägige Normen. ISO 26262 ist keine universelle Grundlage aller sicherheitskritischen Branchen.
Offizielle Quelle: https://www.iso.org/standard/68385.html
Im Automotive-Bereich verwendet ISO 26262 QM und die Stufen ASIL A–D. Die ASIL-Einstufung aus HARA entsteht nicht durch eine einfache Multiplikation „Wahrscheinlichkeit × Konsequenz“. Vielmehr werden Severity, Exposure und Controllability kombiniert. Die detaillierte Methode ist in ISO 26262-3 nachzulesen.
Für Cybersecurity Engineering über den Lebenszyklus elektrischer und elektronischer Fahrzeugsysteme ist ISO/SAE 21434 die einschlägige Referenz: https://www.iso.org/standard/70918.html.
Die Vorlesung betrachtet das Geschäft anhand zweier notwendiger Bestandteile:
IDEE + RESSOURCEN → TECHNOLOGIE → MARKTWERT
Eine Idee allein garantiert noch kein Produkt. Erforderlich sind Menschen, Zeit, Geld, Ausrüstung, Fertigung, Marketing, juristische und IP-Arbeit, Tests sowie Marktzugang. Geld dient als praktische allgemeine Darstellung von Ressourcen, ist aber nicht die einzige Ressource.
Ein Team entwickelt eine eigene Produktidee und übernimmt das entsprechende Marktrisiko: Was wird für wen gebaut? Wie schützt man geistiges Eigentum? Wie skaliert man die Fertigung und organisiert den Support?
Ein Kunde hat eine geschäftliche oder technische Anforderung und nimmt dafür externe Ingenieurkapazitäten in Anspruch. Ein Dienstleister stellt Menschen, Prozesse, Infrastruktur, Domänenwissen und unter Umständen Hardware- oder Fertigungskapazitäten bereit und wird nach einem vereinbarten Geschäftsmodell vergütet.
| Fragestellung | Produktgeschäft | Dienstleistungsgeschäft |
|---|---|---|
| Wer definiert die Marktidee? | Produkteigentümer | Kunde |
| Wer finanziert das Engineering? | Eigentümer / Investor | Kunde gemäß Vertrag |
| Hauptrisiko | Produkt-Markt-Passung und Entwicklung | Lieferung, kommerzielle Aspekte und Reputation |
| Wichtigster Vermögenswert | Produkt / IP / Marke / Vertriebskanäle | Fachkompetenz / Lieferfähigkeit / Ruf |
| Was wird verkauft? | Produkt oder Lizenz | Ingenieurdienstleistungen / Projektergebnisse |
Der Kurs beginnt bewusst mit dem Dienstleistungsmodell. So lassen sich zunächst reale Abläufe – Lead-Generierung, Pre-Sales, Angebot, Personaleinsatz und Lieferung – kennenlernen, bevor das Produktgeschäft betrachtet wird.
Die Vorlesung betont zwei praktische Grenzen von Dienstleistungsaufträgen: Geheimhaltung und Rechte an Arbeitsergebnissen.
Die korrekte Langform lautet Non-Disclosure Agreement, nicht „Not Discussion Agreement“. Eine Geheimhaltungsvereinbarung regelt Pflichten zur Nichtweitergabe vertraulicher Informationen. Die konkreten Grenzen ergeben sich aus ihrem Wortlaut und dem anwendbaren Recht.
Die Aussage, „bei einem Dienstleister gehört IP immer dem Kunden“, beschreibt eine verbreitete vertragliche Gestaltung, aber keine universelle Rechtsregel. Eigentum, Rechtsübertragung, Lizenzen, bestehendes Background IP, neu entstandenes Foreground IP und Wiederverwendungsrechte hängen von Vertrag und Recht ab. Maßgeblich sind MSA, SOW und IP-Klauseln, nicht allein die Bezeichnung „Outsourcing“.
Die Vorlesung vermittelt eine persönliche Empfehlung: Zunächst Erfahrung in echten Dienstleistungsprojekten sammeln, gute und schlechte Prozesse beobachten und den Umgang mit Kunden und Risiken lernen. Mit einer tragfähigen Idee und hinreichenden Ressourcen kann anschließend die Entwicklung eines eigenen Produkts folgen.
Dies ist ein Karrierehinweis des Dozenten, kein einzig zulässiger oder allgemein vorgeschriebener Berufsweg.
Beschreiben Sie eine Embedded-System-Idee unter zwei Geschäftsbedingungen:
Ermitteln Sie für beide Modelle den Eigentümer der Idee, den Risikoträger, die Finanzierungsquelle, das erwartete Ergebnis und die wesentlichen Fragen zu IP und NDA.
Nachdem Embedded Systems und die beiden Geschäftsmodelle definiert sind, stellt sich logisch die nächste Frage: Wer überführt die Idee in ein physisches Produkt? Die nächste Veranstaltung betrachtet dafür das Engineering-Team: Firmware, Hardware, Mechanik, Architektur, Management und physische Lieferkette.