Menschen recherchieren
Auf reale Teilnehmer vorbereiten, nicht auf ein abstraktes Firmenlogo.
Initial- und technische Follow-ups verwandeln Interesse in strukturierten Austausch: RFI, RFQ, kurslokales RFC und erste Proposal-Baseline.
Auf reale Teilnehmer vorbereiten, nicht auf ein abstraktes Firmenlogo.
Wenige passende Fallstudien schlagen ein riesiges generisches Portfolio.
Capability Evidence und Commercial Estimation beantworten unterschiedliche Fragen.
Meetings, Requests, Research, Annahmen und Estimates werden zu einem kontrollierten Artefakt.
Pre-Sales wird zu Engineering, wenn Aussagen, Fragen, Annahmen, Estimates und Versionen nachvollziehbar werden.
Aus dem primären ukrainischen Transkript rekonstruiert. Redaktionelle Korrekturen und externe Ergänzungen sind im Material ausdrücklich markiert.
Chronologie: 15. September 2026 · vierte Veranstaltung. Primärquelle: vollständiges Transkript. Ausgangspunkt ist ein Kontakt durch Empfehlung, Veranstaltung oder Fachinhalt. Ziel ist, den Lead zu einem technischen Folgegespräch und den ersten formalen Pre-Sales-Arbeitsprodukten zu führen.
Diese Sitzung führt das Konferenzthema fort und betrachtet es nun als gesteuerten Geschäftsentwicklungsprozess statt bloßes Networking.
Die zugrunde liegende Abfolge:
Sichtbarkeit / Veranstaltung
↓
Erstkontakt
↓
Lead
↓
Erstgespräch
↓
erkanntes Problem
↓
technisches Folgegespräch
↓
formaler Informationsaustausch
Eine erfolgreiche Geschäftsreise bemisst sich nicht an der Zahl verteilter Visitenkarten, sondern an Kontakten mit einer konkreten Folgeaktion.
Die Vorlesung verdeutlicht: Ein Vortragsplatz wirkt nur, wenn er mit Vorbereitung vor der Veranstaltung und konsequenten Maßnahmen danach verbunden ist.
Vor einem ersten vertieften Gespräch muss das Team recherchieren: Profil des potenziellen Kunden, seine Produkte, öffentlich dokumentierte Technologiegebiete und Rollen der Teilnehmenden.
Die Präsentation des Anbieters wird in drei große Teile gegliedert:
Eine wesentliche Regel: Dem Kunden nicht das gesamte Portfolio auf einmal vorführen. Ausgewählte Fallstudien müssen zu seinem Kontext passen.
Die Präsentation öffnet nur die Tür. Der eigentliche Wert entsteht, wenn der Dienstleister konkrete Fragen stellt und Domänenkompetenz zeigt.
Firmenvorstellung
↓
passende Fallstudien
↓
technische Fragen
↓
konkretes Kundenproblem
↓
„Darüber sollten wir gesondert sprechen“
Metaphorisch spricht die Vorlesung davon, „den Verband genau dort anzulegen, wo es schmerzt“: Ziel ist nicht, beim ersten Treffen das ganze Problem zu lösen, sondern es zu erkennen und einschlägige Fähigkeiten glaubwürdig zu belegen.
Zum nächsten Treffen gehören Personen, die im betreffenden Fachgebiet fundiert sprechen können. Wiedererkennbare Gesprächspartner sind wichtig: Die Schlüsselpersonen des Erstkontakts sollen nicht vollständig verschwinden, sodass Vertrauen erneut von Grund auf aufgebaut werden müsste.
Ziele des Folgegesprächs in diesem Kurs:
Mit einem RFI bewertet ein potenzieller Kunde die Leistungsfähigkeit eines Anbieters. Es kann sich um eine einfache Tabelle mit Fragen und Spalten für Antworten und Nachweise handeln.
Typische Themen sind:
Bei größeren Beschaffungsvorgängen erhalten oft mehrere Anbieter denselben RFI. Die Antworten sollten deshalb vergleichbar, belegbar und frei von vagen Werbeaussagen sein.
Ein RFQ verlangt mehr als eine Beschreibung der Fähigkeiten: Gefragt wird nach Kostenschätzung, Umfang und Lieferzeit. In Embedded-Projekten ist das komplexer als das Zählen von Ingenieurstunden, denn zu berücksichtigen sind unter anderem:
Trifft ein RFQ ein, bevor das technische Problem ausreichend definiert ist, fällt die Schätzung grob aus oder hängt stark von Annahmen ab. Diese Unsicherheit muss offen dargestellt werden.
Die Vorlesung verwendet RFC im Sinne von Request for Clarification, also einer strukturierten Anfrage zur Präzisierung der vorgeschlagenen Lösung oder Problembeschreibung.
RFC hat im B2B-Einkauf keine universell eindeutige Bedeutung. Im Software Engineering steht es häufig für Request for Comments; einzelne Unternehmen verwenden weitere Bedeutungen. Die Kursunterlagen müssen deshalb die Bedeutung bei der ersten Nennung ausschreiben: RFC (Request for Clarification – Terminologie dieses Kurses).
Ein Angebot entsteht nicht ohne Vorarbeit. Es bündelt Informationen aus Gesprächen, RFI, RFQ, RFC und der eigenen Analyse des Dienstleisters.
Gespräche + RFI + RFQ + RFC + Recherche → Proposal / Angebot
Ein erster Angebotsentwurf enthält:
Die nächste Veranstaltung vertieft Normen, Geschäftsmodelle und die Verteilung von Risiken.
Die Vorlesung empfiehlt, ein Angebot wie ein kontrolliertes Engineering-Arbeitsprodukt zu verwalten. Ein möglicher Ablauf ist:
0.1 → 0.2 → 0.3: interne Entwürfe
↓
1.0: externe Ausgabe
↓
Kundenfeedback
↓
1.1 → 1.2: interne Bearbeitung
↓
2.0: nächste externe Ausgabe
Nicht die Versionsnummer allein ist entscheidend. Erkennbar sein muss:
Pre-Sales-Engineering hat Grenzen. Je mehr fertige Entwurfsdetails ein Anbieter preisgibt, desto mehr unbezahlte Ingenieurleistung kann er abgeben, bevor eine Geschäftsentscheidung gefallen ist.
Die interne Überprüfung sollte daher fragen:
| Arbeitsprodukt | Zentrale Frage | Ergebnis des Anbieters |
|---|---|---|
| Erstgespräch | „Lohnt es sich, weiterzusprechen?“ | Vertrauen und nächster Termin |
| Technisches Folgegespräch | „Verstehen sie unser Problem?“ | Präzisiertes Problem und technische Glaubwürdigkeit |
| RFI | „Wer sind Sie, und was können Sie tatsächlich leisten?“ | Strukturierte Kompetenznachweise |
| RFQ | „Was könnte es kosten, und wie lange könnte es dauern?“ | Schätzung mit expliziten Annahmen |
| RFC (im Sinne des Kurses) | „Was genau ist gemeint?“ | Präzisierter Umfang und Eingaben für eine Lösung |
| Proposal / Angebot | „Wie wollen Sie das Vorhaben umsetzen?“ | Integrierter technischer und kommerzieller Ansatz |
Im nächsten Schritt wird das Proposal zu einem ausgereiften technischen und kommerziellen Dokument: Welche Normen und Referenzen gelten? Wie beeinflussen Zertifizierung und Konformität die Arbeit? Wann eignet sich Time & Materials oder Fixed Price, und wer übernimmt welche Risiken?